Welche Wege führen an die Börse? – Direct Listing

Beim Direct Listing werden lediglich bestehende Aktien des Unternehmens zum Börsenhandel zugelassen und der Abverkauf durch die Altaktionäre findet über die Börse statt. Vor der Börseneinführung findet kein Bookbuilding-Verfahren und auch keine (Um-)Platzierung statt, was den Prozess flexibler gestaltet und die Transaktionskosten deutlich senkt. Einen vorab festgelegten Preis für den Erwerb der Aktien gibt es daher nicht und somit auch nicht das Risiko von Preis- und Bewertungsabschlägen durch ein volatiles Marktumfeld.

Die Bewertung des Unternehmens erfolgt erstmals durch den Börsenpreis am ersten Handelstag, der durch Angebot und Nachfrage ermittelt wird. Die Anteile der Gründer und Altaktionäre werden bei dieser Struktur nicht verwässert, da keine neuen Aktien ausgegeben werden. Der schwedische Musik-Streamingdienst Spotify entschied sich bei seinem Börsendebüt in New York im Jahre 2018 für ein Direct Listing (eine Direktplatzierung). Trotz des hohen Medieninteresses beim Börsengang von Spotify konnte sich dieser Trend in Europa noch nicht etablieren.

Die Vorteile sind offensichtlich: Die Kosten für eine Notierungsaufnahme sind sehr überschaubar (oft wenige 10 T€), die zeitliche Belastung für das Management gering (mehr Administration), sogar ein Wertpapierverkaufsprospekt ist in der Regel nicht notwendig.

Die Nachteile liegen in der fehlenden Kapitalerhöhung und in der meist geringen Liquidität (Wer soll mit wem handeln?). Es liegt am Unternehmen, mit einer erfolgreichen Geschäftsentwicklung und guten Kommunikation das Interesse für die Aktie zu steigern. Ähnlich wie bei einem Reverse IPO können diese Punkte aber schrittweise ergänzt werden.