Welcher ist der richtige Weg? Traditioneller IPO, Direct Listing, Reverse IPO?

Grundsätzlich gelten für alle drei Wege die gleichen Kriterien, allerdings in einer mehr oder weniger starken Ausprägung. Die sicherlich höchsten Anforderungen werden in einem traditionellen IPO gestellt. Die Deutsche Börse definiert die Voraussetzungen wie folgt:

Rechtliche Voraussetzungen für die Börsenreife Organisatorische Voraussetzungen für die Börsenreife Wirtschaftliche Voraussetzungen für die Börsenreife
  • Erfüllung der gesetzlichen und satzungsrechtlichen Zulassungsvoraussetzungen und Folgepflichten der Börsensegmente (Regulierter Markt und Freiverkehr)
  • Gültige Rechtsform (Aktiengesellschaft (AG), Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) oder Europäische Aktiengesellschaft/Societas Europeae (SE))
  • Bereitschaft zur Publizität (Veröffentlichung eines Emissionsprospekts, regelmäßige Geschäfts- und Zwischenberichte und Einhaltung weiterer Informationspflichten)
  • Einhaltung des Deutschen Corporate Governance Kodex
  • Qualität, Qualifikation, Reputation und Erfahrung der Unternehmensführung
  • Effektives Risikomanagement und ausgewogene Corporate Governance
  • Reibungslos funktionierendes internes und externes Rechnungswesen
  • Beherrschung entsprechender Rechnungslegungsstandards (HGB) sowie ggf. der Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS)
  • Leistungsfähiges Berichtswesen
  • Investor Relations
  • Solide Finanzen und überzeugende wirtschaftliche Entwicklung bzw. Zukunftsfähigkeit
  • Glaubhafte Equity Story für Investoren
  • Klare verständliche Unternehmensstrategie und hoher Innovationsgrad

Eine Gegenüberstellung der drei Wege – Traditioneller IPO, Direct Listing, Reverse IPO – kann sich so darstellen:

Traditioneller IPO Direct Listing Reverse IPO
+ Umfassende Lösung aus
+ Kapitalerhöhung
+ PR und IR
+ Listing
Wertpapierverkaufsprospekt notwendig
Zeitlicher Vorlauf von 10-18 Monaten
Hohe Kosten für Finanzkommunikation
Hohe Kosten für Platzierung der Aktie (placement agent)
Timing-Risiko am Emissionstag
+ Geringe Kosten
+ Einfache Umsetzung
Wertpapierverkaufsprospekt notwendig
Hohes Umplatzierungsvolumen für Streubesitz
(Zunächst) kein Zufluss von weiterem Eigenkapital
+ Geringe Kosten, durch Liquidität gedeckt
+ Einfache Umsetzung durch Einbringungsvertrag
+ Kein Formwechsel von zB. GmbH in Aktiengesellschaft notwendig
+ keine Altlasten (im Vergleich zu Mantelkauf)
+ Weitere Börsensegmente einfach einbeziehbar (z. B. XETRA)
+ kein Wertpapierverkaufsprospekt notwendig
+ kein Übernahmeangebot/ Pflichtangebot notwendig (Freiverkehr)
(Zunächst) kein Zufluss von weiterem Eigenkapital